Freitag, 27. März 2026

Serie Smart CitiesDigitale Doppelgänger

[17.05.2023] Urbane digitale Zwillinge gelten als vielversprechendes Werkzeug zur Lösung verschiedener kommunaler Herausforderungen – etwa im Bereich Stadtplanung oder Klimaschutz. Ein One-Size-Fits-All-Modell für Kommunen kann es allerdings nicht geben.
Partizipative Stadtplanung mit digitalen Datentischen.

Partizipative Stadtplanung mit digitalen Datentischen.

(Bildquelle: Angela Pfeiffer/Connected Urban Twins)

Aus der Industrie sind digitale Zwillinge als virtuelle Doppelgänger von Produktionsanlagen und Prozessen nicht mehr wegzudenken. Auch in der Stadtentwicklung hält der Ansatz zunehmend Einzug: Urbane digitale Zwillinge sind interaktive Weiterentwicklungen von 3D-Stadtmodellen, die neben Objekten auch vielfältige Daten – etwa Verkehrsströme, Umweltdaten oder soziale Interaktionen – abbilden. Mehr als 30 der insgesamt 73 vom Bund geförderten Modellprojekte Smart Cities bauen derzeit solche urbanen digitalen Zwillinge auf. Die Lösungsansätze und Anwendungsfälle sind dabei ganz unterschiedlich.
So können digitale Zwillinge zum Beispiel für die partizipative Stadtplanung eingesetzt werden. Denn am digitalen Abbild einer Stadt lassen sich verschiedene Szenarien modellieren. Damit das gelingt, müssen die Daten so aufbereitet und visualisiert sein, dass sie auch von Menschen, die nicht unbedingt technikaffin sind, genutzt und verstanden werden können. Eine Lösung ist das in Hamburg entwickelte Digitale Partizipationssystem (DIPAS). Bürgerinnen und Bürger können in Online-Beteiligungsverfahren oder vor Ort über digitale Datentische Karten, Luftbilder, Pläne, 3D-Modelle und Geodaten abrufen und so ihr Feedback zu Planungsvorhaben der Stadt geben. Im Rahmen des Kooperationsprojekts Connected Urban Twins (CUT) wurde die Hamburger Open Source Software DIPAS in die Partnerstädte Leipzig und München transferiert, in ersten Beteiligungsverfahren erprobt und weiterentwickelt.

Ein Ansatz nicht nur für Großstädte

Der Landkreis Hof wiederum baut einen digitalen Zwilling für ein effizienteres Wasser-Management auf. Ziel ist es, einer potenziellen Wasserknappheit frühzeitig vorbeugen, aber auch Hochwassergefahren besser einschätzen zu können. Der Zwilling ermöglicht es, verschiedene Szenarien zu simulieren: Wie verhält sich ein Bach bei unterschiedlichen Regenmengen? Wohin breitet sich das Wasser aus, wenn es über die Ufer tritt?
Im oberpfälzischen Regensburg wird ein digitaler Energie-Zwilling zu einer ökologischen und ökonomischen Energieversorgung beitragen. Dafür werden die Energie- und Materialströme – etwa Strom, Wärme oder Wasser – von Gebäuden und Quartieren mithilfe von Sensoren gemessen und in einem dreidimensionalen, digitalen Modell nachgebildet. So lassen sich Energiesparpotenziale einfacher ermitteln. Der Energie-Zwilling hilft darüber hinaus, größere Sanierungsmaßnahmen von Wohnquartieren vorzubereiten und energetisch optimal umzusetzen. Im ersten Schritt stattet die Stadt Regensburg dafür einen genossenschaftlichen Gebäudekomplex mit Sensorik aus. Es gilt bei diesem Piloten, die Messtechnik und Datengrundlage zu identifizieren, um später auch andere Gebäude und Quartiere mit intelligenten Energiesystemen auszustatten.
Das interkommunale Projekt „SmartRegion AUF“ der bayerischen Gemeinden Apfeldorf, Unterdießen und Fuchstal schließlich beweist, dass urbane digitale Zwillinge nicht nur ein Ansatz für Großstädte sind. Unter dem Motto Dorfentwicklung 4.0 entwickeln die drei Gemeinden einen urbanen digitalen Zwilling als Planungsmodul für Klimaschutzthemen sowie für soziale Projekte im Bereich der Nachbarschaftshilfe.

Know-how gemeinsam nutzen

Im Rahmen der Begleitforschung der Modellprojekte Smart Cities hat ein Team des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering IESE die Potenziale und Herausforderungen urbaner digitaler Zwillinge genauer untersucht. Die Autoren der Studie, die im Mai 2023 erscheint, sehen in deren Einsatz künftig erhebliche Mehrwerte. Zugleich betonen sie, dass die Entwicklung erst ganz am Anfang steht. Tiefer gehende Analysen, Simulationen und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) befänden sich noch im Entwicklungsstadium. Auch seien die für einen urbanen digitalen Zwilling benötigten Daten meist an verschiedenen Stellen in einer Stadt gespeichert. In einem ersten Schritt müssten daher Schnittstellen geschaffen und Silos aufgebrochen werden. Der erfolgreiche Aufbau eines digitalen Stadtzwillings gestaltet sich also äußerst komplex – die Modellprojekte Smart Cities leisten folglich echte Pionierarbeit.
In der Arbeits- und Entwicklungsgemeinschaft (AEG) „Urbane Digitale Zwillinge“ haben sich im Herbst vergangenen Jahres über 30 Modellprojekte zusammengetan. Die AEG, die von der Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities unterstützt wird, fördert den kontinuierlichen Austausch und strukturierten Überblick über bereits eingesetzte Instrumente. Zugleich hilft sie, ein gemeinsames Verständnis über die verschiedenen Einsatzbereiche digitaler Zwillinge in der Stadtentwicklung zu erzeugen. In sieben Themengruppen haben sich die ersten Modellprojekte zusammengeschlossen, die an ähnlichen Use Cases arbeiten. Für Schwerpunkte wie Planungsprozesse, Mobilität, Klimaanpassung, Tourismus oder Denkmalschutz geht es nun zunächst darum, ähnliche Fragestellungen zu identifizieren. In der Themengruppe, die sich mit dem Einsatz digitaler Zwillinge im Bereich Denkmalschutz beschäftigt, ist zum Beispiel der Datenschutz ein wichtiges Thema. Denn häufig befinden sich denkmalgeschützte Gebäude in Privatbesitz: Hier ist es deshalb nützlich, sich gemeinsam auf rechtssichere Leitlinien zu verständigen, damit diese nicht mehr für jeden Einzelfall von den städtischen Datenschutzbeauftragten ausgearbeitet werden müssen.

Baukastensystem ist in Arbeit

Ziel der AEG ist es, zentrales Handlungswissen über digitale Zwillinge in der Stadtentwicklung zu generieren und die Erfahrungen der Modellprojekte Smart Cities auch für nicht geförderte Kommunen zugänglich zu machen. Doch die Vielfalt der Ansätze und die unterschiedlichen Ausgangslagen verdeutlichen, dass es nicht den einen urbanen digitalen Zwilling geben wird. Allerdings zeigen die Modellprojekte AUF und CUT bereits, dass Kommunen davon profitieren, wenn sie kooperieren und ihr Wissen teilen.
So soll im Rahmen des CUT-Projekts ein Baukastensystem für den Einsatz von urbanen digitalen Zwillingen entstehen: Es wird also keinen digitalen Zwilling geben, welcher für alle gleich ist, vielmehr werden die Bestandteile als Open-Source-Lösungen zur Verfügung gestellt. Davon können gerade kleinere Kommunen mit begrenzten Ressourcen profitieren. Das CUT-Projekt bringt sich intensiv in die AEG „Urbane Digitale Zwillinge“ ein und hat in drei Themengruppen eine Sprecherrolle übernommen, unter anderem in der Gruppe zum Thema Planungsprozesse. Diese ist dabei, modulare Elemente für den Einsatz eines digitalen Zwillings in der Stadtplanung zu identifizieren und interkommunal weiterzuentwickeln.

Koordinierungs- und Transferstelle ­Modellprojekte Smart Cities (KTS).

Serie Smart Cities, Teil 1: Stärker durch interkommunale Kooperationen Teil 2: Urbane Datenplattformen Teil 3: Digitale Zwillinge Teil 4: Smarte Regionen Teil 5: Resilienz und Klimaanpassung Teil 6: Raumwirkung der Digitalisierung



Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart City
Zwei Männer in neongelber Warnkleidung auf einem städtischen Platz, sie betrachten ein kleines Solarmodul

Hannover: Neue Messtechnik für alte Bäume

[27.03.2026] Im Rahmen des Projekts BlueGreenCity-KI entwickelt die Stadt Hannover KI-basierte Lösungen, um städtisches Grün klimaresilient und ressourcenschonend zu bewirtschaften. Nun wird ein neues Dendrometer erprobt, das differenzierte Analysen zum Trockenstress eines typischen Stadtbaums ermöglicht. mehr...

Pegelmessstelle der Stadt Lohmar

Lohmar: Pegel werden digital überwacht

[25.03.2026] Neue Pegelmessstellen an fließenden Gewässern liefern der Stadt Lohmar jetzt kontinuierliche Daten zur Überwachung der Wasserstände. Die Informationen sind über die städtische Datenplattform auch öffentlich einsehbar. mehr...

Eine Personengruppe steht in der Amberger Altstatt versammelt.

Amberg: Ist ein Behindertenparkplatz frei?

[25.03.2026] Künftig soll auf der Amberger Website in Echtzeit angezeigt werden, ob die Behindertenparkplätze in der Altstadt belegt oder frei sind. Die entsprechenden Daten liefern Bodensensoren. Eine automatische Kontrolle der Parkberechtigung ist damit nicht möglich. mehr...

Drei Männer sitzen nebeneinander an einem Tisch. Vor ihnen liegen Vertragsunterlagen.

Nürnberg: Digitaler Verkehrszwilling im Test

[23.03.2026] Mit einem Digitalen Zwilling will Nürnberg die Auswirkungen von Straßenbaumaßnahmen auf den Verkehr künftig im Vorfeld simulieren und somit Engpässe besser einschätzen und Baustellen noch gezielter aufeinander abstimmen können. Mit diesem Ziel hat die Stadt nun ein auf drei Jahre angelegtes Pilotprojekt gestartet. mehr...

Vier Personen stehen um einen Monitor versammelt, auf dem das Smart City Dashboard für Schlangen zu sehen ist.

Schlangen: Wetter- und Pegeldaten im Blick

[23.03.2026] Ein Smart City Dashboard zeigt für die Gemeinde Schlangen Wetter- und Pegeldaten in Echtzeit an. Messstationen und Sensoren liefern über ein offenes LoRaWAN die nötigen Werte. Neben den öffentlich zugänglichen Daten erhält die Verwaltung selbst zusätzliche Auswertungen, um beispielsweise auf kritische Wetterlagen passgenauer reagieren zu können. mehr...

Eine Person scannt mit dem Smartphone den QR-Code eines Stadtwürfels in Bremerhaven.

Bremerhaven: Stadtwürfel statt Baustellenschild

[20.03.2026] Mit QR-Code versehene Stadtwürfel sollen in Bremerhaven künftig direkt am Ort des Geschehens über Bauprojekte informieren. Der QR-Code führt zu einer ausführlichen Projektbeschreibung auf der kommunalen Website. Im Gegensatz zu Bauschildern können die Würfel flexibel platziert und verlinkt werden. mehr...

Mönchengladbach: Echtzeit-Sensoren überwachen Verkehrsflüsse

[18.03.2026] Ob ausverkaufte Heimspiele der Borussia, Konzerte populärer Bands oder internationale Sportereignisse – im Mönchengladbacher Nordpark finden zahlreiche Großveranstaltungen statt. Mithilfe smarter Daten will die Stadt die dort anfallenden Verkehrsströme besser verstehen und lenken. mehr...

Abstrakte Darstellung eines Baums, der Daten sendet.

KI: Wenn Bäume ihren Wasserbedarf selbst melden

[17.03.2026] Um Stadtbäume gesund zu erhalten, müssen sie vor Trockenstress geschützt werden. Nicht zuletzt aus Kostengründen ist aber auch eine Überwässerung zu vermeiden. Ein urbanes, mit Künstlicher Intelligenz (KI) arbeitendes Bewässerungssystem erfüllt beide Kriterien und unterstützt obendrein bei der Routenplanung. mehr...

Screenshot vom Deckblatt des Studienberichts zum Smart City Index 2025, den der Digitalverband Bitkom vorgelegt hat.

Smart City Index 2025: Studienbericht liefert Detailergebnisse

[17.03.2026] Den Smart City Index 2025 ergänzend hat der Digitalverband Bitkom nun einen Studienbericht mit bislang unveröffentlichten Teilergebnissen herausgegeben. Er macht beispielsweise ersichtlich, dass fast alle Städte bei der Energie- und Wärmeplanung auf digitale Technologien setzen. mehr...

Screenshot aus dem Simulationstool

Hamburg: Mit dem Digitalen Zwilling Verkehrslärm simulieren

[11.03.2026] Hamburg hat ein neues Tool zur Lärmsimulation entwickelt, mit dem bereits in frühen Phasen die Verkehrslärmverhältnisse für Bauvorhaben bewertet werden können. Die quelloffene Lösung steht über OpenCoDE auch anderen Städten zur Verfügung. mehr...

Mehrere Personen stehen in einem Raum zum Gruppenfoto versammelt. Zwei von ihnen betätigen einen symbolischen Startknopf, eine dritte hält einen aufgeklappten Laptop in den Händen auf dem die Startseite der neuen Website zu sehen ist.

Kreis Warendorf: Smart Region mit eigener Website

[11.03.2026] Als Smart Region Kreis Warendorf bringen der Landkreis und 13 kreisangehörige Kommunen ihre Digitalisierung gemeinsam voran. Auf einer neuen Website präsentiert das Zukunftsprojekt nun seine Digitalisierungsstrategie und erklärt die einzelnen Handlungsfelder. mehr...

Der Digitale Zwilling der Stadt Dresden ist auf einem Tablet zu sehen, das eine Person in den Händen hält.

Dresden: Digitaler Zwilling simuliert Unwetter

[09.03.2026] Wie sich Unwetterereignisse auf Dresden auswirken können, simuliert jetzt ein Digitaler Zwilling der Stadt. Welche Eindrücke und Erfahrungen die Nutzerinnen und Nutzer mit dem öffentlich zugänglichen Prototyp der 3D-Anwendung machen, soll eine Online-Umfrage zeigen. mehr...

Mehrere Personen stehen in einem Raum zum Gruppenfoto versammelt.

Oberhausen: Smarte Ideen aus der Stadtgesellschaft

[09.03.2026] Über ihren Co-Creation Fund unterstützt die Stadt Oberhausen zum zweiten Mal innovative Smart-City-Vorhaben aus der Stadtgesellschaft. Der Fund wird durch Fördermittel des Bundes ermöglicht mit dem Ziel, Ideen aus der Bürgerschaft sowie von Initiativen, Organisationen und weiteren Beteiligten gemeinsam mit der Stadtverwaltung umzusetzen. mehr...

Screenshot des DigiTal Zwilling Wuppertal mit den eingeblendeten Bodenfeuchtedaten.

DigiTal Zwilling Wuppertal: Erste Echtzeitsensordaten

[06.03.2026] Der Digitale Zwilling Wuppertals zeigt jetzt Echtzeitdaten zur Bodenfeuchte an unterschiedlichen Standorten an. Es handelt sich um die ersten live verfügbaren Sensordaten auf der Plattform. mehr...

Blick von Außen durch die Glasfront eines Ladengeschäfts ins Stadtlabor Soest

Studie: Ankerorte für den digitalen Wandel

[04.03.2026] Stadtlabore, Makerspaces und Digitalwerkstätten machen Smart-City-Themen für den Alltag greifbar. Im Rahmen der Begleitforschung der Modellprojekte Smart Cities (MPSC) wurde nun untersucht, wie solche Ankerorte des digitalen Wandels wirken – und was sie für Kommunen leisten können. mehr...