Dienstag, 8. Oktober 2024

E-PartizipationProjektfabrik für Ideen

[31.05.2022] Bürgerbeteiligung kann einen enormen Verwaltungsaufwand nach sich ziehen, den Kommunen oft nicht stemmen können. Leichter geht es mit der Digitalen Projektfabrik. Über die Plattform lassen sich eingebrachte Ideen ressourcenschonend und effektiv verwalten.
Mit der Digitalen Projektfabrik Bürgerideen ressourcenschonend verwalten.

Mit der Digitalen Projektfabrik Bürgerideen ressourcenschonend verwalten.

(Bildquelle: Jacob Lund/stock.adobe.com)

Vielversprechend wurde die Bürgerbeteiligung angekündigt: Neue Verkehrskonzepte, der Klimaschutz oder die Stadtbegrünung samt Freizeitgestaltung sollten mithilfe der Bürgerinnen und Bürger geplant und umgesetzt werden. Zahlreiche Wünsche wurden formuliert, Ziele definiert, vielleicht sogar Budgets freigegeben. Doch dann verlief der Prozess im Sande, da der Kommunikationsaufwand zu groß war. Etliche Arbeitsstunden musste die Verwaltung in die Organisation der Ideen investieren, um dann festzustellen, dass vieles nicht umsetzbar ist. So oder so ähnlich geht es zum Teil Kommunen, wenn sie ihre Bürger an Innovationsprozessen beteiligen möchten.
Vor ähnlichen Herausforderungen stand auch Norbert Rost, Gründer des Unternehmens futureprojects, als er vor einigen Jahren die Bürgerbeteiligung im Rahmen der Zukunftsstadt für Dresden organisierte. Große Ideenwettbewerbe wurden damals veranstaltet, die Bürger in der analogen Welt abgeholt sowie Wünsche und Vorstellungen für eine lebens- und liebenswerte Stadt gesammelt. Noch sehr genau erinnert sich Rost an eine Veranstaltung in der Straßenbahn: Fahrgäste konnten dort mit Post-its ihre Zukunftsvisionen der Stadt an die Fensterscheiben der Bahn kleben. Um konzeptionell weiterarbeiten zu können, mussten diese Post-its im Nachgang eingesammelt, zusammengefasst und digitalisiert werden. Zusätzlich galt es, die konkret formulierten Ideen von über 300 Bürgern auf eine gemeinsame Kommunikationsbasis zu stellen. „Ein gigantischer Verwaltungsaufwand, der viele Kräfte und Ressourcen gebunden hat“, erinnert sich Rost.

Von der Idee bis zum Förderantrag

Rückblickend war dies der Startschuss für die Idee einer Digitalen Projektfabrik. Dabei handelt es sich um eine neue Plattform für die Bürgerbeteiligung, die den gesamten Prozess von der Idee bis zum Förderantrag begleitet. Verständliche Projektschritte und die passende Budgetierung in den Förderanträgen sollen dazu führen, dass Ideen tatsächlich umgesetzt werden. Das Tool verbindet deshalb unterschiedliche Arbeitsebenen – angefangen bei der Ideenfindung und Projektorganisation über die E-Mail-Verteilung, die Budgetplanung und die Zeitstrahlfunktion für die Planung von Abläufen bis hin zur Ausfertigung kompletter Präsentationsunterlagen für Förderanträge. Die jeweilige Kommune kann den kompletten Ablauf administrativ im Backoffice begleiten. So lassen sich auch thematische Budgets – etwa für das Erreichen von Klimaschutzzielen – freigeben, die dann die jeweiligen Projekt-Teams einplanen können. Gestartet wird stets mit einer oder mehreren Projektideen. Einbringen kann diese jeder Bürger und jede Bürgerin nach einer kurzen und datenschutzkonformen Registrierung auf der Plattform. Die Projektideen ähneln in der Aufmachung analogen Post-its und werden den jeweiligen Projekten zugeordnet. Damit keine Idee auf der Strecke bleibt, ermöglicht die Lösung eine intuitive Kommunikation. Es kann auswählt werden, ob alle Beteiligte oder nur einzelne Projektgruppen angeschrieben werden.

Bürgernahe Zukunftsstadt

Die Bürgerbeteiligung im digitalen Raum wird oft ergänzt durch analoge Angebote, etwa in Form von Bürgerforen oder Informationsveranstaltungen. Eine Verbindung zwischen diesen beiden Welten zu schaffen, war den Entwicklern um Norbert Rost sehr wichtig. Während des Projektprozesses können deshalb Arbeitsblätter für den analogen Austausch erstellt werden. Die Blätter können für die Bürgerbeteiligung in Vor-Ort-Veranstaltungen verwendet und danach wieder effektiv und leicht in die digitalen Daten eingepflegt werden.
Mithilfe der Digitalen Projekt­fabrik können sich Kommunen bürgernah zur Zukunftsstadt weiterentwickeln. Da konkrete Ziele von der Idee bis zum Förderantrag begleitet werden, nimmt die Wirksamkeit und Akzeptanz innerhalb der Bürgerschaft zu. Letztere wird in den Prozess eingebunden, gleichzeitig schont die Kommune Ressourcen und Personal und behält die organisatorische Verwaltung im Blick. „Strategien und Konzepte können in kommunalen Verwaltungen nur begrenzt betreut werden, da hierfür oft die Zeit, die Ressourcen und das Personal fehlen“, fasst Nobert Rost zusammen. „Insgesamt geht es bei der Digitalen Projektfabrik darum, ungenutzte Potenziale zu heben und sich durch eine breite Bürgerbeteiligung Rückendeckung für die Prozesse zu holen.“

Christian Wiesner ist Berater für Kommunikation, PR und Marketing.




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: E-Partizipation
Stuhlreihe mit mehreren Personen, die einem Vortrag samt Power-Point-Präsentation folgen.
bericht

Bürgerbeteiligung: Kölner Dreiklang

[04.10.2024] Die Stadt Köln setzt seit mehreren Jahren auf eine systematische Öffentlichkeitsbeteiligung. Dabei hat sich ein Dreiklang aus passenden Werkzeugen, erforderlichen Fähigkeiten und richtiger Haltung bewährt. mehr...

Augsburg: Plattform für Bürgerbeteiligung gestartet

[30.09.2024] Die Stadt Augsburg bietet ab sofort eine digitale Plattform für die Bürgerbeteiligung an. Dort können Bürgerinnen und Bürger an der Entwicklung ihrer Stadt mitwirken, Ideen einbringen und sich an Umfragen sowie Online-Diskussionen beteiligen. mehr...

Die Stadt Pfungstadt führt bis 13. Oktober 2024 eine kartenbasierte Onlinebeteiligung zur Innenstadtentwicklung durch.

Pfungstadt: Ideen für die Innenstadt

[20.09.2024] Die Stadt Pfungstadt sucht Ideen für die Innenstadt von morgen und hat für die Vorschläge der Bürgerschaft eine kartenbasierte Onlinebeteiligung gestartet. mehr...

Köln: Neuauflage von un:box cologne

[12.09.2024] Den Startschuss für die zweite Auflage des digitalen Großbeteiligungsformats un:box cologne hat jetzt die Stadt Köln gegeben. Noch bis Ende September können Ideen für Kölns digitale Zukunft eingereicht werden. mehr...

Gera: Bürgerbeteiligungsmanagerin ernannt

[09.09.2024] Die Stadt Gera hat jetzt den Posten einer Bürgerbeteiligungsmanagerin geschaffen. Diese soll für mehr Transparenz bei kommunalen Entscheidungsprozessen sorgen und eine aktive Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger fördern. mehr...

Ronnenberg: Neues Online-Petitionstool

[03.09.2024] In Ronnenberg können die Bürgerinnen und Bürger ihre Anliegen jetzt per Online-Petitionstool an die Stadt herantragen. Wird ein bestimmtes Quorum erreicht, wird das Anliegen direkt an das zuständige Gremium weitergeleitet. Eine transparente Antwort des Bürgermeisters gibt es auch bei Nichterreichen des Quorums. mehr...

Das Land Baden-Württemberg stellt Kommunen und Behörden ab sofort Dienstleister zur Verfügung

Baden-Württemberg: Einfacher zur Bürgerbeteiligung

[07.08.2024] Das Land Baden-Württemberg hat eine große Ausschreibung für Bürgerbeteiligung abgeschlossen. Ziel ist es, Kommunen und Behörden künftig Dienstleister zur Verfügung zu stellen, die diese bei der Bürgerbeteiligung unterstützen und Kommunen davon entlasten, selbst aufwendige Vergabeverfahren durchführen zu müssen. mehr...

Trier: Auf der Bürgerbeteiligungsplattform kann man beim Bürgerhaushalt mitmachen.

Trier: Bürgerhaushalt gestartet

[06.08.2024] Der Bürgerhaushalt der Stadt Trier, der jetzt freigeschaltet wurde, wartet mit einigen Änderungen auf. Diese betreffen den Zeitplan, die Vorschlagszeit sowie die Einbindung der Fachausschüsse. mehr...

Erkrath: Beteiligung NRW im Test

[05.08.2024] Die Stadt Erkrath testet bis Ende kommenden Jahres eine Beteiligungsplattform auf Basis des Angebots Beteiligung NRW. mehr...

Bochum: Bürgerbeteiligung per BundID

Bochum: Mit BundID beteiligen

[01.08.2024] Für die Bürgerbeteiligungsplattform der Stadt Bochum ist nun auch eine Registrierung per BundID möglich. Diese Erweiterung der Open Source Software steht anderen Kommunen zur Nachnutzung zur Verfügung. mehr...

Beteiligung NRW: Sieben weitere Angebote

[01.08.2024] Über das Portal Beteiligung NRW können Kommunen ab sofort sieben weitere Beteiligungsangebote bereitstellen. Diese kommen aus dem Kontext des OZG. Der KDN führt aktuell Informationsveranstaltungen für Kommunen durch. mehr...

Augsburg: Mitmach-Plattform gestartet

[04.07.2024] Eine neue Plattform für E-Partizipation hat die Stadt Augsburg freigeschaltet. Interessierte finden hier zunächst eine erste Übersicht verschiedener städtischer Projekte, ab Herbst soll auch eine digitale Beteiligung möglich sein. mehr...

Beim Stadtforum gingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem der Frage nach

Münster: Mehr digitale Beteiligung

[26.06.2024] Wie kann die Bürgerbeteiligung in einer Stadt leichter zugänglich und vielfältiger werden? Dieser Frage ging die Stadt Münster im Rahmen eines Stadtforums nach. Bereits online ist die digitale Beteiligungsplattform der Stadt, die auf Beteiligung NRW basiert. mehr...

Die Einwohnerinnen und Einwohner Wittenbergs können mittels Online-Verfahren Ideen und Wünsche zur künftigen Grünanlagengestaltung beitragen.

Lutherstadt Wittenberg: Bürgerbeteiligung mit Consul

[19.06.2024] Die Stadt Wittenberg startet ihr erstes Bürgerbeteiligungsprojekt zur Grünflächenstrategie. Die Umfrageergebnisse sollen als Grundlage für weitere Planungsphasen dienen. Zum Einsatz kommt dabei die Open Source Software Consul. mehr...

Mit über 5

Nordrhein-Westfalen: Erfolgsgeschichte für Online-Partizipation

[05.06.2024] Seit gut zwei Jahren stellt das Land Nordrhein-Westfalen seinen Landes- und Kommunalverwaltungen eine Beteiligungsplattform sowie umfassende Unterstützungsangebote zur Verfügung. Das kommt an: Über 260 Mandanten wurden inzwischen umgesetzt. mehr...